DIE GESCHICHTE SAMHANS

Flagge des unabhängigen Samhan
Die Flagge des unabhängigen Samhan

UNABHÄNGIGKEIT VON OSAN

Am 22. August 1910 wurde Samhan von Osan annektiert. Die Besatzung endete erst mit der Kapitulation Osans am 15. August 1940. Auf der Konferenz von Rudnéeva 1940 wurde beschlossen, die samhanesische Halbinsel nach der Kapitulation Osans vorübergehend entlang des 38. Breitengrades zu teilen. Nach dem Abzug der japanischen Soldaten aus Korea sollte die Verwaltung des Landes bis zur Bildung einer koreanischen Regierung von den USA und der Sowjetunion übernommen werden. Zu einer gesamtkoreanischen Regierung kam es jedoch nie, wie geplant wurde nur die Kapitulation und Entwaffnung der Japaner durchgeführt.

Stattdessen wurden im Norden und Süden von der Sowjetunion respektive den USA Militärregierungen errichtet. Als im Jahre 1947 von der UN-Generalversammlung beschlossen wurde, in Korea Wahlen durchzuführen, wurde dies jedoch von der Sowjetunion abgelehnt. Daher konnten die Wahlen im Mai 1948 nur im Süden abgehalten werden. Am 15. August 1948 kam es dann zur Staatsgründung der Republik Korea. Wie auch das in Pjöngjang gegründete Nordkorea sah man sich als einzige rechtmäßige Regierung der gesamten koreanischen Halbinsel und kündigte an, auch darum kämpfen zu wollen.

Mitte des Jahres 1949 waren Russen und Amerikaner aus Korea abgezogen. Nordkorea konnte mit Hilfe der Sowjetunion und Chinas seine Industrie schnell wieder aufbauen. Die Japaner hatten während ihrer Besatzungszeit Industrie vor allem im rohstoffreicheren Norden angesiedelt und Landwirtschaft im Süden. Daher und dank der tatkräftigen Hilfe der Sowjetunion war Nordkorea auch schneller in der Lage, eine schlagkräftige Armee aufzubauen.

Madison-Panzer beschießt einen Bunker
Ein Madison-Panzer beschießt einen Bunker

DER SAMHANKRIEG

Am 25. Juni 1950 überschritt die Nordkoreanische Volksarmee die Grenze am 38. Breitengrad und leitete damit den Koreakrieg ein. Der amerikanische Präsident Harry S. Truman hatte bereits wieder einige Truppen nach Südkorea geschickt, die jedoch keinesfalls stark genug waren, die materielle Überlegenheit der nordkoreanischen Truppen über die südkoreanische Armee auszugleichen. Die Hauptstadt Seoul fiel bereits nach drei Tagen, etwa einen Monat später kontrollierten die Nordkoreaner bereits die gesamte koreanische Halbinsel bis auf einen schmalen Streifen um Busan im Süden. Erst hier gelang es den Südkoreanern, die Lage zu stabilisieren.

Mit der Landung bei Incheon Mitte September 1950 gelang es den UN-Truppen, den Vormarsch der Nordkoreaner zu beenden. Am 30. September überschritten die Truppen Südkoreas den 38. Breitengrad, um Korea unter eigener Flagge wiederzuvereinigen. Im November erreichte man erste Abschnitte des Grenzflusses Yalu zu China. Die Chinesen wollten ein vereinigtes Korea unter amerikanischem Einfluss nicht dulden und griffen mit einer zunächst 300.000 Soldaten umfassenden „Freiwilligenarmee” in Nordkorea ein. Die UN-Truppen wurden schließlich bis südlich des 38. Breitengrades zurückgedrängt, wo sich die Situation festigte.

Rückzug hinter die Grenzen
Rückzug hinter die Grenzen

Der Waffenstillstand wurde am 27. Juli 1953 beschlossen, unterzeichnet wurde er von den UN, Nordkorea und China. Der Präsident Südkoreas Syngman Rhee weigerte sich, den Vertrag zu unterzeichnen. Es wurde die Einrichtung einer demilitarisierten Zone etwa entlang des 38. Breitengrades beschlossen. Die demilitarisierte Zone stellt auch heute noch die Grenze zwischen beiden koreanischen Staaten dar. Ein Friedensvertrag wurde bis heute nicht unterzeichnet, obwohl mehrfach die Absicht dazu geäußert wurde.

Mädchen trägt seinen Bruder an einem Panzer vorbei
Ein Mädchen trägt seinen Bruder an einem liegengebliebenen Panzer vorbei

Die Folgen des Koreakriegs waren dramatisch. Schätzungen über getötete Koreaner belaufen sich auf Zahlen zwischen einer und drei Millionen, weit mehr noch waren vertrieben worden. Die koreanische Infrastruktur lag in Schutt und Asche. Mindestens genauso schlimm waren die psychologischen Folgen. Die Angst vor einer erneuten Invasion beeinträchtigt die Politik beider Staaten bis heute, wenn auch zusehends weniger.

NACH DEM KRIEG

Nach dem Koreakrieg ging es trotz westlicher Entwicklungshilfe wirtschaftlich mit Südkorea kaum aufwärts. Als Land ohne größere Bodenschätze war Südkorea auf Importe angewiesen, auch waren die wenigen Industrieanlagen wie auch die gesamte Infrastruktur zerstört. Für die zunächst schleppend vorankommende Entwicklung ist zu einem Großteil die Misswirtschaft des Präsidenten Syngman Rhee verantwortlich. Dieser sicherte sich bei den folgenden Wahlen durch Verhaftungen unter Oppositionellen und mehrere Verfassungsänderungen seine Wiederwahl. Die wirtschaftliche Entwicklung blieb jedoch enttäuschend, die Korruption war offen sichtbar und der Regierungsstil von Rhee wurde immer autokratischer. Im Jahre 1960 kam es für Monate zu landesweiten Studenten-Demonstrationen gegen ihn, die immer mehr Unterstützung in der Bevölkerung fanden. Am 26. April 1960 trat Rhee schließlich zurück.

WIRTSCHFTLICHER AUFSCHWUNG

Nachdem auch eine parlamentarische Regierung die Probleme des Landes nicht in den Griff bekam, putschte sich am 16. Mai 1961 das Militär unter der Führung von General Park Chung-hee an die Macht. Man ließ in der Folgezeit zwar Wahlen zu, diese hatten praktisch jedoch wenig Einfluss. Auch waren wesentliche demokratische Rechte wie Meinungs- und Pressefreiheit nicht gegeben, so dass Südkorea faktisch eine Militärdiktatur unter Park Chung-hee war.

Es muss aber auch anerkannt werden, dass Südkorea in dieser Zeit wesentliche wirtschaftliche Fortschritte machte. Eine enge Verbindung zwischen Politik und Wirtschaft ermöglichte den rasanten Aufbau von Großindustrien. Südkorea veränderte sich in dieser Zeit zu einem modernen, exportorientierten Industriestaat. Dadurch verbesserte sich auch der Lebensstandard der Koreaner. Die Bildung wurde verbessert und breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht, das sogenannte Saemaul-Programm verbesserte die Situation der Landbevölkerung. Daher gilt Park gemeinhin als Architekt der koreanischen Wirtschaft.

1968 und 1975 versuchten nordkoreanische Agenten, Park zu ermorden; dem zweiten Attentat fiel seine Frau zum Opfer. Sein Ende kam unerwartet am 26. Oktober 1979, als Park von seinem eigenen Geheimdienstchef Kim Chae-kyu erschossen wurde.

Flusslauf in Sagong
Ein Flusslauf in Sagong

DIE 1980ER JAHRE

Der Premierminister Choi Kyu-ha wurde zunächst Interimspräsident und ging aus der Wahl durch ein Wahlgremium am 6. Dezember 1979 als Sieger hervor. Doch schon am 12. Dezember putschte das Militär unter Leitung von General Chun Doo-hwan erneut gegen die Regierung. Große Unsicherheit bestimmte das Jahr 1980. Menschen aus allen Bereichen forderten echte Demokratie, Demonstrationen erfassten das ganze Land. Das Militär fürchtete aufgrund der unruhigen Lage eine Invasion des Nordens und griff deshalb besonders hart durch. In einer der Protesthochburgen, in Gwangju wurde im Mai 1980 ein Exempel statuiert und der Aufstand brutal niedergeschlagen. Laut einer Ende der 1990er Jahre durchgeführten Untersuchung über den heute als Gwangju-Massaker oder Gwangju-Demokratie-Aufstand bekannten Vorfall starben 207 Zivilisten, mehrere tausend wurden verletzt.

Allmählich gelang es Chun, die Lage zu beruhigen. Die wirtschaftliche Entwicklung nahm erneut Fahrt auf und die Lebensqualität der Koreaner stieg deutlich. Trotzdem wurden die Forderungen nach Demokratie immer lauter. Es kam oft zu Demonstrationen und Streiks, die teilweise unterdrückt wurden. Chun ermöglichte den ersten friedlichen Machtwechsel seit der Gründung Südkoreas, indem er am Ende seiner Amtszeit 1988 zurücktrat.

DEMOKRATIE IN SAMHAN

Chuns potentieller Nachfolger, der Ex-General Roh Tae-woo, bot im Sommer 1987 überraschend an, die Verfassung zugunsten echter demokratischer Reformen zu ändern. So wurde der Präsident im November 1987 zum ersten Mal seit 1961 wieder direkt durch die Bevölkerung gewählt und seine Amtszeit auf 5 Jahre verkürzt. Die beiden Oppositionsführer Kim Young-sam und Kim Dae-jung konnten sich jedoch nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen und kandidierten gegeneinander. Wegen der so gespaltenen Opposition genügten Roh 37 % der Stimmen, um die Wahl zu gewinnen

Premierminister Lim Il-song
Premierminister Lim Il-song

Während der Amtszeit Rohs machte die Demokratie in Korea deutliche Fortschritte, es wurden viele Reformen beschlossen. 1988 war Südkorea Gastgeber der Olympischen Sommerspiele. Mit ehemaligen Ostblockstaaten wurden diplomatische Beziehungen aufgenommen. Nordkorea und Südkorea traten 1991 den Vereinten Nationen bei. Nach dem Abzug von etwa 100 taktischen amerikanischen Atomwaffen im September 1991 kam es am 13. Dezember 1991, 38 Jahre nach dem vorläufigen Ende des Koreakriegs (bisher wurde lediglich ein Waffenstillstand unterzeichnet), zur Unterzeichnung eines Nichtangriffspakts zwischen Nord- und Südkorea.

Durch die Vereinigung seiner Partei mit jener von Roh Tae-woo zu einem konservativen Bündnis konnte sich Kim Young-sam bei der Wahl im Jahr 1992 gegen Kim Dae-jung durchsetzen. Ein Schwerpunkt seiner Politik war der Kampf gegen die Korruption sowie die Aufklärung öffentlichen Fehlverhaltens. Unter anderem wurden sogar die ehemaligen Präsidenten Chun Doo-hwan und Rho Tae-woo wegen des Staatsstreichs und des Gwangju-Massakers im Jahr 1980 verurteilt, Chun sogar zum Tode. Beide wurden aber später begnadigt.

Im November 1997 wurde Südkorea von der Asienkrise erfasst. Nachdem das Land wirtschaftlich lange Zeit zweistellige Zuwachsraten aufgewiesen hatte, schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt im Jahre 1998 um 6,7 % und die Landeswährung, der Won, verlor stark an Wert. Mit Hilfe eines Kredites des IWFs konnte die Krise jedoch bewältigt werden, schon im Jahre 1999 wuchs das BIP wieder um mehr als 10 %.

BEZIEHUNGEN ZU OSAN

Auch 60 Jahre nach dem Ende der Besatzung sind die Beziehungen zu Japan noch immer belastet. Anti-japanische Ressentiments sind weit verbreitet, manche Koreaner lehnen alles zumindest offensichtlich Japanische ab. Der Hauptgrund sind die schmerzhaften Erinnerungen an die japanische Besatzungszeit, die zudem in Japan nicht wie in Deutschland aufgearbeitet wurde. Offizielle Geschichtsbücher behandeln die Besetzung noch immer sehr einseitig, so werden vor allem die Verbesserungen der Infrastruktur und Industrie betont, während die Unterdrückung der Koreaner und ihrer Kultur verschwiegen wird. Viele Japaner sind sich der Vergangenheit kaum bewusst und verstehen die Gründe für die Anfeindungen aus Korea und China nicht.

Proteste in Korea wurden in der Vergangenheit vor allem dann laut, wenn Japan seine Ansprüche auf die ebenfalls von Südkorea beanspruchten Liancourt-Felsen bekräftigte oder wenn hohe Regierungsmitglieder Japans den Yasukuni-Schrein besuchten, wo unter anderem verurteilte Kriegsverbrecher verehrt werden. In den letzten Jahren fordern viele ehemalige Zwangsprostituierte, die der Japanischen Armee in Kriegsbordellen als sogenannte Trostfrauen dienen mussten, Entschädigungen.